Kunst als Investition – auch eine Leidenschaft.

Investition. Kunst. Kommerz?

Mit der Kunst ist das so eine Sache. In sie zu investieren eine ganz andere.

Wenn man nämlich wie ich die Kunst in ihren unterschiedlichen Ausformungen liebt, sich ihr versucht vorbehaltlos zu nähern, dennoch interpretierende und persönliche Ansichten hegt, diese vielleicht wieder verwirft, kurz gesagt also in einem Diskurs zu ihr steht, so ist das erst einmal ein recht ideeller Ansatz. Und zugegebenermaßen auch einer der zu meinem Budget passt…

Ein ganz anderer Ansatz, vielleicht nicht unbedingt mit weniger Leidenschaft und Liebe zur Kunst, ist der des Kunstinvestments. Bei dieser Form der Investition reicht es nicht, wenn, wie bei mir, dass Portmonnaie von Prada ist und mir somit beim Bezahlen einen gewissen Glamourfaktor verleiht (welcher spätestens beim Zücken der Kreissparkassenkarte wieder in sich zusammenbricht…). Da muss schon mindestens ein solides, gediegenes wenn nicht sorgloses Budget vorhanden sein, damit der Investmentberater seine Tätigkeit aufnimmt.

Investition auf hohem künstlerischem Niveau

Thomas Beiten in seinem Büro in der Valoritas.

Ich hatte die wunderbare Gelegenheit mich mit Thomas Beiten, Geschäftsführer der Valoritas Vermögensberatung, und Dr. Arne Frhr. von Neubeck, geschäftsführender Gesellschafter und Gründer von The Global Fine Art (TGFA) und seinem Kollegen Dennis Preiten über ihre Arbeit, bzw. ihre Passion, das Kunstinvestment zu unterhalten. 

Vorab sei gesagt: es ist in meinen Augen eine spannende Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz. Meine kunstgeneigte und idealistische Seele sperrte sich anfänglich gegen den Gedanken, dass Kunst in einem Anlagenwert bemessen werden soll. Was natürlich schon im nächsten Gedankengang eine irrige und unsinnige Annahme ist. Denn jede Galerie, jedes Museum, und sowieso jeder Künstler muss ein/sein Werk in einem klar definierten Wert bemessen: der Galerist unterhält so seine Galerie und trägt zum Erhalt der Kunst bei, das Museum schützt durch die – auf Bewertungen basierenden – Versicherungen seine teils außerordentlichen Exponate und der Künstler muss schließlich auch von etwas leben.

Arne v. Neubeck in den Räumen der The Global Fine Art. Foto: TGFA

Das Art-Team ist das A-Team…

Ein guter Vermögensberater wird immer auf die Fachkenntnis eines Kunstexperten zurückgreifen und nicht selber eine eigene Suppe kochen. So auch Thomas Beiten, der seit fünf Jahren auf die Expertise von  The Global Fine Art zurückgreift. Nur die ganz großen und alteingesessenen Bankhäuser haben einen Kunstberater in-House, in der Regel jedoch greifen Banken, Versicherer und Investmentberater auf ein Art-Team zurück, welches sozusagen als Ankerpunkt zwischen Vermögensberater, Kunde, Künstler, Kunstwerk oder Galerie dient und die entscheidenden Empfehlungen ausspricht.

Wie aber funktioniert die Investition in Kunst konkret?

Für ein solides Investment wird ein Portfolio an unterschiedlichen Vermögenswerten zusammengestellt. In der Regel, so Thomas Beiten, setzt sich ein Anlagenportfolio bei der Valoritas aus internationalen Aktienfonds, grüner Energie und Immobilien zusammen. Seit fünf Jahren nimmt die Valoritas nun auch Kunst als Segment mit auf, welches ca. 10% des Gesamtpaketes, das der Kunde erwirbt, ausmacht. Arne v. Neubeck: “Hierbei haben wir erst einmal auf die Fotokunst gesetzt, weil sie als `Einstiegskunst´ gilt und dem Kunden ein vertrauteres Medium ist als beispielsweise Malerie und Skulpturen.” 

Thomas Beiten mit dem wunderbaren Bildband über Vivian Maier, welche auch im Bestand der TGFA ist. Foto: Valoritas/Thomas Beiten

Dabei wird mit einer Wertsteigerung von 5 % kalkuliert. Thomas Beiten: “Die Kunstwerke sind nicht wie eine Aktie zu behandeln, die man sofort wieder auf den Markt zurückführen kann. Sie sollten im besten Falle 10 Jahre im Besitz bleiben, sozusagen ruhen, damit die Wertsteigerung greift.” Denn der Wertzuwachs erfolgt nicht linear, sondern unterliegt jährlichen Schwankungen, auf lange Sicht jedoch steigt er und so macht es Sinn, sich in Geduld zu üben. Arne v. Neubeck: “Je nach Ansatz kann dieser Wert aber auch deutlich höher liegen, wenn man das Risiko erhöht bei der Auswahl der Künstler.  Auch her gilt: die Kunst ist eher ein Wertspeicher als ein Renditeobjekt.”

Die meisten Kunstwerke verbleiben auch nach dem Verkauf im Zoll-Freilager in Zürich, unterliegen somit nicht der Umsatzsteuer, hängen aber dadurch auch nicht an der heimischen Wand. Hier muss man sich entscheiden…

 

Was ist wertvoll? Wann wird Kunst zur Investition?

Wie aber ermittelt man den Wert eines Künstlers? Vor allem, wenn man nicht mit den “blue chips”, also den 10 bis 20 meist verkauften Künstlern auf dem Kunstmarkt, handelt, welche horrende Preise erzielen, sprich den Investor auch eine ebensolche Summe kostet, sondern einem soliden Einstiegsprodukt. Denn, so Arne v. Neubeck: “Man muss hier deutlich zwischen der Kunst, die das Potential zur Investition hat und Kunst, welche vielleicht sehr hochwertig ist und dem persönlichen Geschmack entspricht, unterscheiden. Der Künstler muss als wertsteigernde Anlage erkennbar, aber auch als Einstiegswert vermittelbar sein und seine Werke auch bei – im Vergleich zu den Blue Chips –  niedrigen Preisen Entwicklungspotential haben.”

©Estate of Vivian Maier, Courtesy of Maloof Collection and Howard Greenberg Gallery, NY.

Ein wunderbares Beispiel für eine Preisanpassung per Nachfrage ist die 2009 verstorbene amerikanische Fotografin Vivian Maier. Sie lebte zeitlebens zurückgezogen und nur durch Zufall entdeckte man nach ihrem Tod in ihren Hinterlassenschaften eine Unmenge an Scharz-Weiß Fotografien, die das Leben in den Straßen amerikanischer Großstädte zeigen, vorzugsweise New York und Chicago.

Arne v. Neubeck. Foto: TGFA

Für mich bestand der große Anreiz Thomas Beiten und Arne von Neubeck zu interviewen, zugegebenermaßen auch in der Möglichkeit,  einige der Werke von Vivian Maier im Original zu sehen. Die kurz nach ihrem Tod im Jahre 2009 entdeckte Amateur-Fotografin wurde dermaßen in den Kunst-Olymp gehoben, zu neudeutsch gehyped, dass ein kurz nach ihrem Tod gekauftes Werk heute ein Vielfaches des ursprünglichen Preises erzielt. Seit einiger Zeit hat die TGFA einige Werke von Vivian Maier im Portfolio und dies wohl kaum zu ihren Ungunsten…

Die andere Variante arbeitet mit der Verknappung. Das heißt das Werk eines Künstlers, wie z. B. ein limitierte Lithographie oder Fotografie, welche es ja im Gegensatz zu einer Skulptur oder einem Gemälde meist in vervielfältigter Form gibt, erzielt umso höhere Preise, je kleiner die Edition ist und wird. Also das zuerst verkaufte Bild einer Edition ist günstiger als das zuletzt verkaufte. Hier gilt es entweder gute Nerven oder ein gutes Wissen der Marktlage oder im besten Falle beides zu haben. So wie Thomas Beiten und Arne von Neubeck. 

Facts and Fiction. Oder: die Gratwanderung zwischen knallharten Zahlen und möglichen Optionen…

Wie aber erwirbt man sich das Fachwissen? Ohne eine jahrelange Recherche des Marktes geht gar nichts, so Arne von Neubeck. Und die Liebe zum Sujet. Welche davor stehen muss, denn ohne Begeisterung für die Kunst ist eine gute Beratung im Bereich des Kunstinvestments nicht möglich. Eine rein kaufmännische Expertise ist hier völlig unzureichend, denn es geht ähnlich wie beim Aktienmarkt einerseits um die genaue Kenntnis von Fakten und Zahlen, andererseits eben auch um zukünftige Werte, ein Gespür für Künstler, die einen Wert erzielen könnten und Kunst, welche wertstabil bleibt und nicht nur einem aktuellen Hype unterliegt. Und ohne gute Kontakte geht auch nichts (welcome to a blogger´s life…): Kuratoren, die lange im Geschäft, Galeristen, die exzellent vernetzt sind und Versicherungen, die vorgelegte Gutachten prüfen und verifizieren können.

Bei Arne v. Neubecks Erzählungen fühlte ich mich an meine eigene Biographie, meinen Zugang zur Kunst erinnert: völlig selbstverständlich durch ein kulturelles Elternhaus mit durch die Museen dieser Welt und an Kunst alltäglich herangeführt (als Kind natürlich eher geschliffen, aber der Deal war: Museum gegen Zoo-Besuch, das zog bei mir immer!) und somit keine Scheu, sondern Neugier für Neues. Und die benötigt man auch bei einer Investition im Bereich Kunst. Denn wer will schon immer auf Althergebrachtes zurückgreifen? Salopp gesagt, die Mischung aus solidem Kaufmann und Trüffelschwein, wie bei Thomas Beiten und Arne v. Neubeck macht´s: mit beiden Beinen auf dem Boden von Fakten und Zahlen, aber gleichzeitig die Nase stramm auf dem Boden der Kunst.

Und für diejenigen unter euch, die sich für Fotokunst und Kunstinvestment interessieren: die Valoritas in Zusammenarbeit mit TGFA haben u.a. folgende herausragende Künstler im Portfolio: August Sander, Chris Killip, Robert Lebeck (einer meiner Lieblinge…), Vivian Maier. 

Und für mich es war ein besonderes Erlebnis, zum Schluss meines Interviews auf eine Fotografie des legendären Che Guevara Fotografen Alberto Korda zu blicken…magic!

Die Bloggerin arbeitet von nun an am Budget…ready to invest!

 

 

 

Susanne Graue

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