Espace Culturel Louis Vuitton München

Die Überraschung…

Noch im vergangenen Jahr bekam ich eine Einladung von Christiane Wolff und ihrem hochkarätigen Frauen-Netzwerk Nettwerk zu einer Ausstellung in den Espace Culturel von Louis Vuitton. Ich las es und dachte, na toll, da hast du einen Blog mit Kunstthemen, zwei Taschen von Louis Vuitton – aber dieser Kunstraum…? Wo ist der? Was zeigt er? Und wieso kenne ich den nicht??

Vorweg gesagt: dieser Espace Culturel ist ein Kleinod!

Der Ursprung…

 

Detailaufnahme Voir la Mer: Sophie Calle, Voir la Mer Le Vieil Homme (2011). © Adagp, Paris 2018

Das ist im Groben gesprochen drei Personen zu verdanken: natürlich allen voran Bernard Arnault, dem CEO von LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton), welcher als Mäzen ein Teil seines beträchtlichen Vermögens in die Kunst investiert und deren Betrachtung dem Publikum kostenlos zur Verfügung und dem Vergnügen anheim stellt. Nicht unbedingt das, was man allgemein hin mit dem elitären und kostspieligen Geist von Louis Vuitton in Verbindung bringt… Und Yves Carcelle, dem zu früh verstorbenen Geschäftsführer von Louis Vuitton, einer der Mitbegründer der fünf internationalen Kunsträume. Glaubt man den unzähligen Nachrufen, ein aufgeschlossener, menschlich nahbarer Manager, welcher maßgeblich an dem Aufstieg und Ruhm von Louis Vuitton der letzten Jahre beteiligt war…

Und dann gibt es da Sarah Haugeneder, die das Espace in München hauptverantwortlich leitet. Eine ungemein sympathische, kluge und attraktive Frau, die durch den Kulturraum mit einer Leidenschaft für die Kunst und einer großen Klarheit in der Sprache führt. 

Die Gründung…

Das erste Espace Cuturel wurde 2005 in Paris eröffnet, dem Stammsitz von Louis Vuitton. In Folge wurden vier weitere eröffnet in Tokio, Venedig, München und Peking. Für München eine große Auszeichnung, dass dieser Stadt der Vorrang vor Metropolen wie London, Madrid oder Berlin gegeben wurde. In Paris wurde der ursprüngliche Kulturraum durch einen spektakulären Bau von Frank Gehry ersetzt, heute die Fondation Louis Vuitton, einem Kunstbau der besonderen Art.

Raumaufnahmen der Arbeiten von Sophie Calle : ©Louis Vuitton/Christian Kain, 2018

Die vier Espaces Culturels funktionieren als Satelliten zur großen Fondation. Dennoch führen sie ein Eigenleben: es gibt keine Wanderausstellungen, sondern die Kulturräume verstehen sich als Institution, welche die Lücken der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im Ausstellungskanon der jeweiligen Stadt schließen möchte.

Die Kunst…

Die ausgestellten Künstler befinden sich alle im Sammlungsbestand der Fondation. Dabei kommt mindestens immer ein Exponat aus Paris, der Rest der Exponate sind teilweise Leihgaben von Künstlern oder den Galerien, welche die ausgestellten Künstler vertreten. 

Nun gibt es weltweit unzählige Ausstellungen, in denen namhafte Künstler ausgestellt werden. Und auch in München ist man häufig überfordert von dem hochkarätigen Angebot. Ganz abgesehen von den unzähligen engagierten Galerien mit bekannten und unbekannten Talenten…

Warum also möchte ich meiner geneigten Leserschaft den Espace Culturel so ans Herz legen?

Dass er ein hervorragendes Programm bietet versteht sich von selbst. Louis Vuitton steht heute exemplarisch für Luxus und auch ein bisschen für die Welt, in welcher wenig außer dem schönen Schein zählt: Für wenige bezahlbar aber für viele ein sehnsüchtiges Objekt der Begierde. 

Der Anspruch…

Raumaufnahmen der Arbeiten von Sophie Calle: @Louis Vuitton/Christian Kain, 2018

Nun: im Gegensatz zu dem kostspieligen Luxus von Louis Vuitton ist der Kulturraum einer der demokratischsten welcher mir in den vergangenen Jahren begegnet ist. Eintritt? Fehlanzeige. Es kostet nichts, sich die wunderschönen Räume in der Maximilianstraße anzusehen. Auch die Führungen, die täglich stattfinden und optional gebucht werden können sind kostenlos.

Aber das reicht Sarah Haugeneder und ihrem engagiertes Team nicht: Sie möchten die Jugend in den Kulturraum holen. Und zwar auch ganz bewusst die Kinder aus sogenannten bildungsfernen Schichten. Dass die Kinder gutsituierter Eltern aus Münchner Stadtteilen wie Grünwald oder Bogenhausen mit Kultur vertraut sind, ist selbstverständlich. Und häufig von selbigen wenig geschätzt, da auch hier zu reinem Konsum verkommen. Eine persönliche Meinung, aber ich stehe dazu.

Das Ergebnis…

Das Besondere ist aber nicht nur, dass der Eintritt frei ist und somit auch Kinder aus ärmeren Familien Kunst betrachten können. Die Herausforderung ist ja, Kinder mit zeitgenössischer Kunst zu verbinden, sie ihnen verständlich nahe zu bringen. Für Sarah Haugeneder und ihre Mitstreiter ein Herausforderung, die sie aus Überzeugung aufgenommen haben. Sie haben dazu ein Kunstkonzept entwickelt, welches für jede Ausstellung anwendbar ist. Mit teilweise durchgreifendem Erfolg. Es gibt interaktive Führungen für Kinder ab 5 Jahre und die Resonanz ist durchweg positiv. Teilweise kommen diese Kinder wieder. Und bringen ihre Eltern mit. Die zum ersten Mal in einem Ausstellungsraum stehen…

Den Erwachsenen unter uns sei gesagt, dass es – abgesehen von den wunderbaren Künstlern, die dort ausgestellt werden – eine kleine meditative Auszeit ist, den Kulturraum zu besuchen. Raus aus dem Dauerrauschen der Innenstadt und des Konsums, rein in eine kleine konzentrierte Welt… Go!

Der Espace Culturel zeigt pro Jahr drei Ausstellungen. Zu finden ist er in der Maximilianstraße 2a. 80539 München. Öffnungszeiten sind Mo-Fr: 12h bis 19h. Sa: 10h bis 19h. Telefon: 089 558938100 

Website Espace Culturel München: https://de.louisvuitton.com/deu-de/kunst/espaces-louis-vuitton#

 

Aufnahme Fenster des Espace Culturel Louis Vuitton München: ©Louis Vuitton/Christian Kain, 2014

 

Susanne Graue

2 Kommentare

    • Das freut mich sehr liebe Diemut! Schaue es dir unbedingt an, die aktuelle Ausstellung von Sophie Calle ist sehr ergreifend!

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