Sandra Vater und ihre Organic Pattern Plastiken

Ein Ei ist ein Ei ist ein…oder doch eine Träne?

Auf alle Fälle magisch. Dies war mein unmittelbarer Eindruck, als Nicole von Vietinghoff-Scheel mir Sandra Vaters Organic Pattern Plastiken im Sommer in einem Katalog zeigte. Nicole von Vietinghoff-Scheel lernte ich auf dem MPE Event Art Circle von Monika von Pöllnitz-Egloffstein kennen. Sofort waren wir uns sympathisch und vereinbarten einen Termin, um mögliche gemeinsame Projekte zu besprechen. Vietinghoff-Scheel ist Kunstmanagerin und vertritt u.a  Sandra Vater und die renommierte Fotografin Marion Mandeng – beide in Berlin ansässig. Sandra Vaters Organic Pattern zeigten schon auf den kunstvollen Fotos von Marion Mandeng eine eigentümlich meditativen und gleichzeitig kraftvollen Ausdruck, sodass ich der Vernissage am 26.10.2017 in der Galerie Karin Wimmer in München mit großer Spannung entgegenblickte. 

Sandra Vater, Organic Pattern

Sandra Vaters Artwork

Ich konnte schon am Vortag einen Blick auf Sandra Vaters Objekte werfen und mit einem weiteren Blick auf ihre Website war ich positiv erstaunt wie komplex ihr Œuvre ist. Sandra Vater, geboren 1984, schloss 2008 in Erfurt ihr Studium der Kunst und Religion erfolgreich ab und wechselte dann an die Universität der Künste Berlin, um das Studium der bildenden Kunst aufzunehmen. Im nächsten Jahr wird sie dies als Meisterschülerin in der Klasse von Prof. Karsten Konrad abschließen.

Durch ihr Erststudium ist vielleicht zu erklären, wie sie sich den Organic Pattern thematisch genähert hat. 

Nicole von Vietinghoff-Scheel, Sandra Vater

Organic Pattern – the magical mystery tear…

Sie selbst sagt über ihr Werk: “Meine Plastiken aus der Golden Edition (die im Rahmen der Berliner Märchentage entstanden sind) – optisch einer Träne gleich – sind außen weiß und innen vergoldet. Gold symbolisiert Reichtum und Reinheit zugleich. Die Träne ist oben scharfkantig und spitz aufgeplatzt. Im Inneren beherbergt sie einen Samen, in Form einer Erbse.

Die Erbse, vielfach in Märchen vorkommend, war eine Assoziation meiner Plastiken für die Kooperation mit Märchenland e.V., weil sie sowohl in der heidnischen als auch christlichen Symbolik eine Rolle spielt.

Ich möchte auf die doppelte Symbolik hinweisen, die Erbse als Marienträne, als schmerzhafte Erfahrung des Lebens, aber auch die Befreiung und Unabhängigkeit – die Erbse als Samen der Hoffnung und Zuversicht.”

Sandra Vater, Organic Pattern

Die vielschichtigen Aspekte der Organic Pattern Plastiken

Weiter sagt sie zu Ihren Arbeiten der Serie Organic Pattern:

“Dies ist eine Serie von Gipsplastiken, in deren formalen Fokus Wachstum, Schichtung und der Zwischenraum steht. Die erste Gipsarbeit erhielt die Nummer 60, ähnlich einer Nummerierung in einer Versuchsreihe, da es 59 Versuche brauchte, bis der Guss bestehen blieb.

Dabei geht es um die Austestung der physischen Grenzen des Materials Gips. Thematisch steht Organic Pattern im Zusammenhang mit Aspekten der Mikrobiologie nach Antoine Béchamp.

Er untersuchte abgestorbene bzw. zerstörte Zellen und beobachtete, wie Mikrozyme aus sterbenden Zellen entstanden sind und sich zu neuen Zellen entwickelten. Mikrozyme haben die Möglichkeit, in einem inaktiven und zeitlich unabhängigen Zustand zu verharren, scheinbar unsterblich zu sein.”

Susanne Graue

Sandra Vaters künstlerische Thematik bei den Organic Pattern ist also sehr stark von biologischen Wachstums- und Wandlungsprozessen beeinflusst, die sich aber auch im Rahmen der Sonderedition in die ewigen Themen der Mystik und Symbolik, wie Reinheit und Vollkommenheit, transformieren lassen. Als weiteres bedeutendes Merkmal bei den Organic Pattern ist das Thema Entschleunigung zu nennen, welche in all ihren Skulpturen und Papierarbeiten zu sehen und zu spüren ist.

Der Betrachter muss sich die Zeit nehmen, sich länger auf das Objekt einzulassen. Schnell im Vorrübergehen wird sich ihm nicht die ganze Schönheit, Klarheit und Vielschichtigkeit der Kunst von Sandra Vater eröffnen und dies ist auch so gewollt von ihr.

Nicole von Vietinghoff-Scheel, Dr. Karin Wimmer, Susanne Graue

Alle Arbeiten benötigen schon bei der Herstellung viel Zeit, teilweise bis zu einem halben Jahr arbeitet die Künstlerin mit kurzen Unterbrechungen an den Plastiken, schon in der Schaffungsphase muss auch, bedingt durch das Material Gips, eine Entschleunigung stattfinden.

Sandra Vater schafft mit „Organic Pattern“ ein Objekt, dem neben dem unmittelbar sinnlichen Erfahren der vielschichtigen, an ein übergroßes Ei erinnernden Struktur, auch konzeptuelle Ideen zugrunde liegen. Wer sich von der unglaublichen Tiefgründigkeit und magischen Ausstrahlung der Organic Pattern Plastiken von Sandra Vater überzeugen möchte, kann dies noch bis zum 24.11.2017 in der Galerie Karin Wimmer contemporary art / Amalienstraße 14, 80333 München tun.

Sandra Vater, Organic Pattern – Ausschnitt

Marianne Russ, Ilana Lewitan (Künstlerin), Dr. Karin Wimmer, Nicole von Vietinghoff-Scheel, Susanne Graue

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicole von Vietinghoff-Scheel

 

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Nicole von Vietinghoff-Scheel, die mir großzügig Hintergrundinformationen zu Sandra Vaters fantastischer Kunst gegeben hat. Vietinghoff-Scheels Laudatio anlässlich der Vernissage sind auch Sandra Vaters Zitate entnommen.

 

Susanne Graue

2 Comments

    • Liebe Soussen, Sandra Vaters Objekte sind etwas ganz Besonderes und es freut mich, dass du auch so empfindest.

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